etwas zum hintergrund

ausstellungsszene II


aus werkstatt, garten, über
mich
und über die kunst

. . .  und die letzte Bemerkung wie immer zum Schluss
  Manchmal bin ich nicht meiner Meinung

manchmal bin ich nicht meiner Meinung II
vom wert der geduld - in arbeit
werkstattszene V
werkstattszene III
werkstattszene VI
- Werkkstatt außen -
Lilli im wind - in arbeit
werkstattszene II
mal sehen, was kommt - in Arbeit
Arbeitsszene

über mich
Bevor ich zu einem relativ späten Lebenszeitpunkt angefangen habe, Holzfiguren zu schnitzen, habe ich über fast 40 Jahre hinweg in sehr unterschiedlichen Bereichen (vom Handwerk über Dienstleistungen und dem universitären Bereich bis hin zu Erwachsenenbildung, Managment und nun auch im Bereich der Kunst) Lebenserfahrungen sammlen können. Das Wichtigste dabei war die Erfahrung, daß das Leben ganz anders ist.

Aussenarbeiten


bogenschütze am Trecker
Fewo ecke
Straßenansicht -
sommerhaus

Im Jahre 2001 habe ich meine ersten Schnitzversuche unternommen. Zwei Jahre später habe ich mir Schnitzwerkzeug gekauft und begonnen, regelmäßig Holzfiguren herzustellen. Weil ich mich seit Beginn meiner ersten bildhauerischen Versuche gefragt habe, was ich denn da eigentlich mache  wenn ich schnitze, habe ich Bücher gelesen, in Zeitschriften recherchiert und mit Menschen geredet, um herauszufinden, was denn Kunst ist, und wie der Kunstbetrieb funktioniert. Es ging mir hierbei nicht um  kunst- oder kulturwisschenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse. Ich wollte die Alltagsfrage für mich beantworten, wo für mich die Grenze zwischen Trivialität und der Einlösung weitergehender Ansprüche verläuft, und wie diese beschaffen ist.
Ob, und wie weit das, was für mich und meine Schnitzerei dabei herausgekommen ist, auch bruchlos auf andere Kunstbereiche übertragbar ist, will ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Das ist aber auch nicht mein Problem.  Mir geht es darum zu verstehen, ob das, was ich mache, weitergehenden Ansprüchen gerecht werden kann, und wenn ja, welchen und warum.

Ein diesbezügliches Schlüsselerebnis hatte ich, als ein Freund mich fragte: „Machst du was, was man verstehen kann, oder machst du mehr so ‚Kunst‘?“. Es scheint so zu sein, daß auf dem Kunstmarkt etwas inszeniert wird, was sich dem Alltagsverständnis vieler Menschen verschließt. Kritische Stimmen behaupten, daß auf dem Kunstmarkt ein „Sektenritual“ inszeniert wird, von dem man „ohne erfolgreich abgeschlossene Gehirnwäsche ausgeschlossen bleibt“. Wem dieses Urteil zu hart ist, und wer genaueres wissen will, findet bei den Künstlern und Kunsthistorikern Christian Sahernd und Steen T. Kittl („Das kann ich auch, Gebrauchsanweisung für moderne  Kunst“ S. 290) in unterhaltsamer  Form eine Fülle von Fakten und Schlussfolgerungen
.
Ich hatte nach vielen Jahren eigener bildhauerischer Tätigkeit die Gelegenheit, ein längeres Gespräch mit einer seit vielen Jahren bundesweit beachteten  Künstlerin zu führen. Eine kluge und reflektierte Frau, Beuys-Schülerin und Meisterschülerin von Gerhard Richter, die zeitweilig auch als Professorin tätig gewesen ist. Dennoch fühlte ich mich durch dieses Gespräch in meinem Eindruck bestätigt, daß in dem Treibhausklima der Kunst-Welt Beurteilungen über die Ansprüche, die an Kunst zu stellen sind
gedeihen,  die mit dem, was ich in meiner gesellschaftlichen Wirklichkeit erlebe, nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Denselben Eindruck hatte ich nach einem ausführlichen Briefwechsel mit einem Vertreter des Vorstandes des Berufsverbandes Bildender Künstler in Berlin.  Ohne die meinungsprägende Mitgliedschaft in einer Künstlervereinigung, ohne Ausstellungs- und Wettbewerbsbeteiligungen bin ich neben eigenen Ausstellungsbesuchen und Literaturstudien in meinen Reflexionen geprägt durch die Betrachtungsweisen der vielen hundert Besucher, die jährlich meine Werkstatt besuchen.

Jenseits von Interessenlagen, in denen es um Finanzspekulation und Sozialprestige geht gilt, daß  es Gegenstand jeder Kunst ist, Geschichten zu erzählen (Literatur, Musik, Malerei, Bildhauerei, Tanz, Film, Oper, Theater etc.). Das zentrale (bild-)sprachliche Ausdrucksmittel der bildenden Kunst ist, durch  Verfremden, Hervorheben und Weglassen Irritationen bei dem Betrachter herbeizuführen, um somit dessen Wahrnehmung auf einen bestimmten Gegenstand oder eine Sichtweise zu lenken. Hervorheben, Weglassen und Verfremden hat zwangsläufig und auch gewollt ein gewisses Mass an Mehrdeutigkeit und Vagheit der Aussagen zur Folge. Von der notwendigen Vagheit und Mehrdeutigkeit der Aussagen bis zur gezielten Vernebelung der Absichten, der Verwirrung des Betrachters bis hin zur einer hohlen Geste des Künstlerischen ist es nur noch ein kleiner Schritt. Bei der gesprochenen Sprache ist uns allen bekannt, dass geredet werden kann, ohne wirklich etwas zu sagen. Ebenso wie in in der gesprochenen Sprache sind in der Bildsprache der bildenden Kunst Wort- bzw. Bildhülsen und Leerformeln nicht immer sofort zu erkennen,  aber oft durchaus imponierend. Hinter ebenso verschwurgelten wie vielsagend-nichts-sagenden Formulierungen steht oft der Versuch, die Stümperei zur Tugend zu erklären. Solche mit bildsprachlichen Leerformeln angefüllten Werke können unter dem Gesichtspunkt der kreativen Selbstbeschäftigung des Herstellers und unter dem Aspekt von dekorativer Ästhetik, von Illustration und Design, die oft im Gewand der Kunst daherkommen,  durchaus ihren Wert haben. Nur: mit Kunst, die davon zu unterscheiden ist, haben solche Arbeiten wenig zu tun.
Nicht alles was als Kunst daher kommt, oder diesem Begriff zugeordnet wird,  ist auch in diese Kategorie einzuordnen.  Das gilt natürlich auch für meine Arbeiten. Nicht jede Figur, nicht jedes Bild ist deshalb ein Kunstwerk, weil es eine Figur oder ein Bild ist.  Kunst ist von nicht gering zu schätzender kreativer Selbstbeschäftigung,

auf welche weise wirkt kunst ?

was bleibt?

Bei aller kritischen Betrachtung der Kunstwelt und bei aller Unsicherheit in der Beurteilung dessen, was Kunst ist, sein oder leisten kann, schreibt Sarah Thornton in ihrem Buch „Sieben Tage in der Kunstwelt“ (s.20/21), daß die Welt, in der wir leben, um einiges ärmer wäre, wenn es diese Kunstwelt nicht gäbe. Diese Welt, in der man sich auf so vergnügliche Weise paradox verhalten kann, in der die Grenzen zwischen Arbeit und Spiel, lokaler Gültigkeit und Internationalität, zwischen Kultur und Ökonomie verwischen. Diese Welt wäre um einiges ärmer, wenn es diesen von oft grotesker Selbstüberschätzung geprägten Haufen egozentrischer Selbst- und Künstlerdarsteller, diese schrägen Vögel, diese oft überqualifizierten, anachronistischen Typen und sensiblen Beobachter nicht gäbe, die uns gelegentlich zeigen und auch fühlen lassen, dass das Leben auch ganz anders ist.

Und wenn das Gerede verstummt ist und alle nach Hause gehen; wenn wir das alles gar nicht mehr so ernst nehmen müssen, ist es einfach wunderbar, die Ergebnisse künstlerischer Arbeit oder auch "nur" kreativer Selbstbeschäftigung zu genießen.  

Weltwahrnehmung, über die wir selbst oft nur sehr wenig aktives Wissen haben, die aber dennoch für unser Handeln oft hochwirksam sind. Eine Geschichte über ein Thema zu erzählen hat darüber hinaus gegenüber der reinen Faktenpräsentation den Vorteil, daß es sich hier um die Beschreibung eines lebbaren Vorgangs handelt. “Und je diffuser und komplizierter unsere Welt wird, um so nötiger ist die unmittelbar verständliche Geschichte. Denn wir denken, wir leben, wir lieben und wir träumen in Geschichten. Sie sind das Medium unserer geistigen Existenz, die Ordnungsform unserer Wirklichkeit” (so der Tübinger Medien-wissenschaftler Bernhard Poerksen in der taz im Feb 2020).
 
Wenn jemand in unseren Garten oder in meine Werkstatt kommt, eine Skulptur betrachtet und es rutscht ihm oder ihr - evtl. auch nur in Gedanken - ein “aha”, oder ein “mmh” oder ein “wie?” raus; wenn eigene Gedanken, Gefühle oder Erinnerungen aktualisiert werden, wenn derjenige sich veranlaßt fühlt, ein weiteres mal hinzugucken, wenn sozusagen die Seele in Schwingungen versetzt wird,  dann hat evtl. Kunst  stattgefunden. Kunst ist das, was am Ende rauskommt; ein virtueller Vorgang der Initiierung von Kommunikation, von Sinngebung als Übereinkunft zwischen Hersteller und Betrachter. Sinn existiert nur virtuell; in den Köpfen, in den Herzen, als Prozess, als Übereinkunft, Verständigung, Kommunikation. So wie in der Literatur nicht das Buch, das bedruckte Papier das Kunstwerk ist, so ist in der Bildhauerei nicht die Figur, das Hand*werk das, was das Eigentliche ist, sondern es ist der durch dieses initiierte Prozess; der Vorgang des Austausches über eine erzählte Geschichte.

von Design, Dekoration  und Illustration  zu unterscheiden. Es geht bei diesen Unterscheidungen um voneinander abzugrenzende Zielsetzungen.   Es geht bei der Kunst darum, nicht ohne weiteres sichtbare Aspekte eines Themas aus einer emotional bedeutsamen und kognitiv erhellenden Perspektive zu betrachten und ggf. zugänglich zu machen. Um mit Paul Klee zu sprechen: „Kunst gibt nicht Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar“. Wo aber der Kunstbegriff “bis zur Unkenntlichkeit aufgelöst” wird, (Haselbach u. a., der Kulturinfarkt) gedeiht der Verdacht, daß unter dem Deckmantel der Kunst kunstfremden Interessen zum Durchbruch verholfen werden soll.
Für den aus dem Arbeitermilieu stammenden französischen Soziologen Didier Eribon hatte in dem Lebensbereich seiner Herkunft “die” Kunst keine Bedeutung. Interesse an Kunst sei eine Frage der Bildung. „Ich mußte es erst lernen. Das war ein Teil einer nahezu vollständigen Umerziehung um in eine andere Welt eintreten zu können“ (Didier Eribon, Rückkehr nach Reims, S.98). Das Interesse an Kunst habe in dieser Welt jedoch “stets, ob bewußt oder unbewußt auch damit zu tun, daß man das Selbst aufwertet, indem man sich von denen abgrenzt, die keinen Zugang zu solchen Dingen haben”. Hieraus resultiere  ein  Überlegenheitsgefühl, das aus einem “ewigen diskreten Lächeln ebenso spricht wie aus ihrer Körperhaltung,  dem kennerhaften Jargon wie aus dem ostentativen Wohlgefühl ...,” von dem die Selbstpräsentation geprägt ist.
Damit Kunst zugänglich werden kann, scheint es notwendig zu sein, etwas Übung in der Entschlüsselung von Metaphern und Bedeutungsübertragungen zu haben, die in unserem Kulturkreis in der bildenden Kunst verwendet werden.  In jeder Erfahrungswelt werden die Geschichten eben dieser Erfahrungswelt erzählt. Insoweit ist das, was Eribon die „vollständige Umerziehung“ nennt, in erster Linie nicht einer besonderen Eigenart der Kunst geschuldet, sondern seinem Eintritt in eine andere Lebenswelt mit anderen Regeln, Selbstverständlichkeiten, anderen Geschichten, anderen kulturellen Ausdrucksformen und anderen Metaphern, Chiffren und sozialen Codierungen.

Es stellt sich die Frage, um welche Art von  Bedeutungsübertragungen es im Allgemeinen geht, wenn wir von Inspiration, von künstlerischem Ausdruck reden? Es handelt sich hierbei nicht um geheimnisumwitterte sphärische Eingebungen. Inspirationen wurzeln in alltäglichen Vorgängen, die allen Menschen geläufig sind: Wir sehen und erleben in unserem näheren oder weiteren Lebensumfeld Ereignisse, uns drängen sich Schlussfolgerungen auf, wir verarbeiten Erfahrungen, es gibt Sachverhalte, die uns staunen lassen etc.. Wer gern malt, schnitzt, musiziert etc, versucht dann ggf., diese Beobachtungen und deren Interpretation mit seinen den Mitteln seines Hand*werks in Szene zu setzen, und damit auch – wenn es gut geht – sie für sich zu verarbeiten.

Sofern es in der bildenden Kunst um menschliches Verhalten geht, worin ich den Schwerpunkt meiner mir wichtigen Arbeiten sehe, kommt der Körpersprache eine herausragende Funktion hinsichtlich von Bedeutungsübertragungen zu. In der Mimik, in jeder Geste, in jeder Körperhaltung kommt das zum Ausdruck, was unsere gegenwärtige mentale und emotionale Verfassung ausmacht. Unsere Körpersprache ist ein unwillkürliches Ausdrucksmittel, auf dessen Kernbereich wir Menschen im Regfelfall so gut wie keinen steuernden Einfluß haben; hier sind sich die Sozialwissenschaftler ausnahmsweise einmal einig. Zum einen lügt der Körper nicht. Zum anderen verstehen wir alle die Sprache des Körpers, meist ohne uns darüber im Klaren zu sein; intuitiv, über die meisten sozialen und kulturellen Grenzen hinweg. Mit der Sprache des Körpers werden dem Aufmerksamen Beobachter Botschaften übermittelt, die gelegentlich weit über das gesprochene Wort hinausgehen oder gar im Gegensatz zu dem gesprochenen Wort stehen können. Eine gut gemachte Skulptur, die mit diesem Mittel arbeitet, wird für alle diejenigen spontan verständlich, für die der Gegenstand der Erzählung in irgendeiner Weise von belang ist.

Damit, und das ist das Entscheidende, wendet sich Kunst, die mit diesem Mittel arbeitet, an einen Teil unseres Wahrnehmungssystems, der nicht oder nur bedingt  der Kontrolle unserer  rationalen  Beurteilung unterliegt. Sie erreicht damit Schichten unserer Selbst- und

und über die kunst

Hand*werk
kann man sich erarbeiten,
Kunst braucht Reife.

stille
in der luft.
der garten
behütet das gemüse.
skulpturen blicken
auffordernd
einander an.

der schweiß
des alltags
glänzt auf allen wegen,
und die verzögerung
des daseins
macht sehn
süchtig.

träume
verweilen
über den wiesen.
schmetterlinge, gänsefingerkraut
und kleine sweeties
verlangsamen
die zeit.

da – sein,
nothing pretended:
ein lebensgefühl
.

CRW_6079 II

wann sind holzfiguren kunst ?

„Ich interessiere mich nicht für Kunst, aber ich möchte eine Skulptur bei Ihnen kaufen“, sagte eine etwa 45jährige Frau zu mir

Eine Frau  kommt in meine Werkstatt, sieht die Skulptur „das Gerücht“ (auf der Homepage Navigationspunkt „skulpturen II“) und es entfährt ihr ein spontanes und lautes „Ha!!!, das kenn ich!“. Was ist da passiert ? Kunst ist offenbar in der Lage, handlungsrelevante Schichten unseres Alltagsbewußtseins spontan zu erreichen, die mit rationalen Mitteln oft nicht spontan verfügbar sind. Kunst wirkt, selbst wenn sie mit rein geistigen Mitteln wie etwa in der Literatur operiert, nicht mit rationalen Mitteln, sondern mit dem Aufspüren von verdeckten Erfahrungsebenen. Die Existenz des sozialen Bewußtseins unterliegt emotionalen Gesetzen, auch wenn unsere Vorstellung vom aufgeklärten modernen Menschen uns etwas anderes zu versprechen scheint. Unsere Handlungsmotive und Lebensbeurteilungen entwicklen sich, wie wir alle wissen, nicht im kristallklaren Himmel logischer Gründe. Der reine Verstand wird nie den Thron des irdischen Königreiches besteigen. Wir werden immer Menschen bleiben, die von Vorurteilen,  Egoismen, Reflexen, geheimen Wünschen, Ressentiments und niederträchtigen wie auch von  liebevollen, uneigennützigen  und auch großherzigen Motiven gelenkt sind; und das in weitaus stärkerem Maße als durch unsere Rationalität.
Dadurch, dass Kunst an unseren verdeckten Erfahrungsebenen andocken kann, ist sie sowohl für unser persönliches wie unser gesellschaftliches Verhalten  in hohem Maße handlungsrelevant: allerdings nicht im Sinne eines handlungsentwerfenden  Verfahrens, sondern im Sinne einer  Anregung für die Wiederauffindung von verschütteten Emotionen und Bewußtseinslagen.

Website Design Software NetObjects Fusion